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Marathontipps


Allgemeine Hinweise zum Training

"Es gibt keinen allgemein gültigen Trainingsplan." Trainingspläne müssen individuell sein. Sie sind abhängig von der Zeit fürs Training, von der Zielvorstellung und von den Neigungen für bestimmte Trainingsinhalte. Training muss motivationsfördernd sein und Spaß machen. Erfolgreiches Ausdauertraining kann sehr unterschiedlich aussehen. Das zeigen auch die unterschiedlichen Trainingsinhalte und -schwerpunkte in der Weltspitze, wie auch die Unterschiedlichen Empfehlungen für reine Gesundheitssportler. Die Trainingsinhalte der Leistungssportler reichen von Trainingseinheiten mit sehr großen Umfängen und niedriger Intensität bis hin zu solchen mit reduzierten Umfängen und zwischenzeitlich sehr hohen Intensitäten. Auch die Empfehlungen für Gesundheitssportler können von täglichen, kurzen und sehr lockeren Trainingseinheiten bis hin zu 2-3 Trainingseinheiten pro Woche mit variabler, moderater zum Teil auch höherer Intensität variieren.

Wichtig ist die Kombination der „richtigen“ Intensität, mit dem entsprechenden Trainingsumfang.

1) Training langsam steigern
Das gilt für Anfänger wie auch für geübte Läufer, die sich speziell auf einen Lauf vorbereiten wollen. Zu schnelles Steigern von Intensität oder Dauer hat oft REIZERSCHEINUNGEN AN MUSKELANSÄTZEN, SEHNEN, GELENKEN UND BÄNDERN zur Folge. Das liegt daran, dass Anpassungsvorgänge des Binde- und Stützgewebes relativ lange dauern. Wenn Schmerzen in diesen Strukturen auftreten, dann sollte das Training vorübergehend reduziert werden. Von ein bis zwei ausgelassenen Trainingseinheiten ist noch niemand schlechter geworden. Wenn diese Beschwerden verschleppt werden, können sie chronisch werden. Die Behandlung von chronischen Beschwerden ist jedoch sehr schwierig und oft langwierig. Der Satz: "Kommt vom Laufen - geht vom Laufen" stimmt leider nur selten. Trainingseinheiten auf dem Rad oder im Wasser (Aquajogging) können bei solchen Überbelastungserscheinungen als Alternative genutzt werden. Sie können aber auch grundsätzlich in die Vorbereitung mit einbezogen werden.

2) Training sollte abwechslungsreich sein
Ausdauer kann nicht nur durch langsames langandauerndes Laufen erreicht werden. Auch intensive Belastungen sind durchaus sinnvoll. Wenn NIEDRIGINTENSIVE UND HOCHINTENSIVE BELASTUNGEN IN EINER TRAININGSEINHEIT IN VERSCHIEDENER WEISE KOMBINIERT werden, wird das Training dadurch nicht nur abwechslungsreicher, sondern auch effektiver. Die Intensitäten werden über Geschwindigkeitsvorgaben oder Herzfrequenzvorgaben gesteuert. Die Vorgaben müssen sich natürlich an der individuellen Leistungsfähigkeit ausrichten. Im Vordergrund sollte immer stehen: Laufen soll Spaß machen.

3) Regeneration nach einem Training
Die LEISTUNGSVERBESSERUNG findet in der REGENERATIONSPHASE statt! Die Bedeutung der Zeit zwischen zwei Trainingseinheiten hat man erst relativ spät erkannt. Zu kurze Regenerationszeiten VERZÖGERN oder VERHINDERN die Verbesserung der Leistungsfähigkeit. Die Regeneration dauert umso länger je intensiver eine Einheit ist. Auch sehr lange Einheiten brauchen längere Regenerationszeiten. Intensive Einheiten sollten erst nach ausreichender Erholung durchgeführt werden. Daraus ergibt sich folgende Faustregel: Wer wenig Zeit für das Training hat, kann häufiger intensiv trainieren; wer häufig trainiert, darf nicht so oft intensiv trainieren.

4) Ernährung
Die Ernährung ist die Grundlage für eine optimale Regeneration. Unsere normale Ernährung ist in der Regel zu fettreich. Für den Ausdauersportler, eigentlich auch für den Nichtsportler, sollte der KOHLENHYDRATANTEIL an der Nahrung ERHÖHT und der FETTANTEIL VERRINGERT werden. Kohlenhydrate sind vor allem in Brot, Nudeln, Reis und Kartoffeln vorhanden. Auch die Vitamin- und Mineralienzufuhr muss an den Sport angepasst sein. Daraus ergibt sich eine ganz einfache Regel: Die Ernährung sollte möglichst abwechslungsreich, pflanzlich orientiert aber nicht unbedingt vegetarisch sein. Alle Produkte sollten möglichst naturbelassen sein.
Oft vernachlässigt wird die FLÜSSIGKEITSZUFUHR. Schon Nichtsportler trinken vielfach zu wenig. Zu geringe Flüssigkeitszufuhr reduziert die Leistungsfähigkeit. Nach einem Training sollte zumindest der Gewichtsverlust, der durch das Training entstanden ist, durch Flüssigkeitszufuhr ausgeglichen werden. Auch während langer Trainingseinheiten sollte getrunken werden.

5) Gesundheit
Voraussetzung für ein optimales Training ist Gesundheit und subjektives Wohlbefinden. Krankheiten, Verletzungen oder unvorhergesehene Ereignisse können einen Trainingsplan bis hin zur Trainingspause verändern. "Weniger ist häufig mehr". Eine Krankheit oder Verletzung gehört vollständig auskuriert. Eine konsequente Trainingspause - am besten in Rücksprache mit dem Sportmediziner - verhindert langfristige Beschwerden mit noch längeren Zwangspausen und evtl. chronischen Schäden. Außerdem schadet eine Woche Trainingspause der Leistungsfähigkeit nicht.

6) Dehnen und Kräftigung
Genauso wichtig wie das Training der im Wettkampf beanspruchten Muskulatur ist deren Dehnung, sowie die Kräftigung der entsprechenden "Gegenspieler" (Antagonisten). Durch einseitiges Training entstehen sonst sehr schnell muskuläre "Ungleichgewichte" (Dysbalancen) und Verkürzungen, die dann die Leistungsfähigkeit wieder einschränken oder sogar zu ernsthaften Schäden führen können. Deshalb gehört in den Aufbau einer jeden Trainingseinheit neben der Aufwärmphase, der Hauptphase und dem "cool down" (auslaufen) auch eine Dehnphase. Diese kann nach der Erwärmung, nach der Hauptphase oder auch nach dem Training unter der Dusche durchgeführt werden. Aus dem gleichen Grund sollten im Trainingsplan eine bestimmte Anzahl von Trainingseinheiten zur Kräftigung der Muskulatur fest verankert sein. Dabei soll also nicht die "Wettkampfmuskulatur" zusätzlich gekräftigt werden, sondern in erster Linie die abgeschwächten Antagonisten und speziell bei Läufern die Haltemuskulatur des Rumpfes und Oberkörpers, sowie der hinteren Oberschenkelmuskulatur ("kompensatorisches Krafttraining"). Das Stretching sollte alle Regionen umfassen.

7) Techniktraining
Übungen zur Technikverbesserung (Lauf-ABC) können in jede Trainingseinheit eingebaut werden. Sie sind wichtig
- zur VERMEIDUNG VON ÜBERBELASTUNGEn an Sehnen und Bandapparat - zur LEISTUNGSVERBESSERUNG, da der LAUFSTIL ÖKONOMISCHER wird.

8) Kleidung
Als noch nicht so erfahrener Läufer besteht eher die Gefahr sich zu warm anzuziehen: Sie kommen unnötig ins Schwitzen und so zu einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit (auch beim Training). Dadurch wird auch der Leistungsfortschritt innerhalb einer Trainingsperiode verlangsamt. Tragen Sie insbesondere direkt auf der Haut Funktionskleidung (keine Baumwolle!), damit Sie nicht durch die in der Kleidung gespeicherte Nässe zu frieren beginnen.
Natürlich sollten Sie auch nicht zu wenig Kleidung tragen.

9) Feststellung der „richtigen“ Intensität für das Training
Die Trainingsintensität lässt sich sehr gut nach der Herzfrequenz steuern, da man unabhängig von Wettkampferfahrung, Streckenlängen, evtl. Steigungen oder Gefälle ein Maß für die Beanspruchung des Organismus hat. Eine Überlastung oder ineffektives, zu lockeres Training kann damit praktisch ausgeschlossen werden.
Dabei ist aber das Wissen um seine individuellen Herzfrequenzbereiche wichtig, denn diese können unabhängig von statistischen Mittelwerten sehr unterschiedlich aussehen.
Würden Sie sich Laufschuhe in Größe 41 kaufen,nur weil Läufer Ihres Alters lt. Statistik im Mittel diese Schuhgröße haben? Sicher nicht, denn Sie sind ein Individuum und haben Ihre individuelle Schuhgröße und genauso verhält es sich mit Ihrer Herzfrequenz: In vielen Trainingsbüchern und -artikeln wird zwar als Faustregel für den Maximalpuls die Formel „220 minus Lebensalter“ gegeben und statistisch (im Mittel!) scheint das richtig zu sein. Aber es gibt viele Sportler, deren Puls- oder Herzfrequenz ober- oder unterhalb dieses Wertes liegt. So gibt es 60-jährige Sportler, deren Herzfrequenz bei Belastung auf über 200 Schläge (statt 160 lt. Faustregel!) und 25-jährige, deren max. Puls nicht über 170 (statt 195!) ansteigt. Das Festlegen von Trainingsintensitäten in Prozentsätzen eines „statistischen“ Maximalpulses kann daher zu falschen Vorgaben führen!

Die maximale Herzfrequenz und ihr Anstieg im Verlauf der Belastung sind bei jedem Sportler - unabhängig von Alter und Leistungsstand - eine individuelle Größe, so wie einer große oder kleine Füße hat s.o.. Auch ein Vergleich der Herzfrequenz unter gleichaltrigen Sportlern sagt nicht viel über die Leistungsfähigkeit aus. Hieraus ergibt sich, daß bei einem Training nach Standardwerten der eine Sportler überfordert und ein anderer unterfordert sein kann!

Wer sein Training über den Puls z.B. mit einem Pulstester steuern und kontrollieren will, sollte seinen individuellen Maximalpuls und den Anstieg seiner Herzfrequenz bei steigender Belastung am besten kombiniert mit dem Anstieg der Laktatkonzentration in einem Leistungstest feststellen lassen. Aus den Testergebnissen werden dann individuelle Herzfrequenzbereiche für Training und Wettkampf berechnet. So lassen sich sowohl frustrierende Unterforderung als auch gesundheitsgefährdende Überforderung vermeiden. Im MSG Hannover können sie einen solchen Test schnell und unkompiziert durchführen lassen - Ihr Training wird davon profitieren!

Die Herzfrequenzbereiche zum optimalen Training verändern sich im Rahmen einer Laufvorbereitung (ca. 3 Monate) nur wenig, auch wenn die Geschwindigkeit bei einer bestimmten Herzfrequenz im Laufe des Trainingsprozesses ansteigt (oder umgekehrt, wenn Sie mal eine Trainingspause einlegen müssen).


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