Egal, ob Sie im Frühjahr wieder zu Joggen beginnen, Ihren Tennisschläger nach der Winterpause wieder schwingen oder die Gartenarbeit in Angriff nehmen, spätestens 2 - 3 Tage später wissen d.h. spüren Sie, daß Sie etwas (zu viel) getan haben. Sie haben Muskelkater! Und das sogar an Stellen, an denen Sie gar keine Muskeln vermuteten. Selbst so „normale“ Dinge wie Lachen und Husten schmerzen auf einmal.
Als Ursache für den Muskelkater wird landläufig eine zu hohe Milchsäureproduktion und damit eine „Übersäuerung der Muskulatur“ angenommen. Doch man kann durchaus sehr intensiv Sport treiben, zum Beispiel beim Fahrrad fahren und dabei sehr viel Milchsäure entwickeln, ohne später Muskelkater zu bekommen! Jedoch bekommen auch gut trainierte Sportler Muskelkater, wenn sie ungewohnte Bewegungen ausführen oder stark ermüdet sind.
Muskelkater tritt vor allem nach Bremsbewegungen und Abfangen des Körpergewichts wie z.B. beim Bergablaufen, Treppabgehen, Hocksprüngen auf. Auch der Muskelkater nach einem Marathonlauf oder nach dem ersten Freizeitfußballspiel entsteht im Wesentlichen durch solche Belastungen.
Ursache dafür ist die mechanische Überbelastung kleinster muskulärer Strukturen; sie zerreißen. Dadurch können sie keine Kraft mehr entwickeln. Muskelkater ist deshalb auch immer mit einem Kraftverlust verbunden, der mehr als 14 Tage dauern kann. Also wesentlich länger, als man den Muskelkater selbst spürt.
Kraftverlust bedeutet auch die Einschränkung der Koordination; also eine Verschlechterung der Technik. Kurz vor einem wichtigen Wettkampf sollte man deshalb weder im Training „noch mal so richtig loslegen“, noch zur „Zerstreuung“ im Garten arbeiten.
Gängige Praktiken, den Muskelkater zu lindern, wurden durch Prof. Böning in der Sportphysiologie der MHH untersucht. Als erstes mußten sich seine Mitarbeiter einen kräftigen Muskelkater zufügen: man sah uns daher bei Sprüngen in der halben Hocke in den Gängen des Instituts herumhüpfen. Mancher Augenzeuge hat an unserem Verstand gezweifelt!
Wir „Versuchskaninchen“ dagegen haben spätestens nach 2 Tagen an unserem Chef gezweifelt. Dieser ließ uns zum „Abbau“ des Muskelkaters wieder „normal“ laufen, nach dem Motto: Was durch Belastung kommt, geht damit auch wieder! Andere hatten das Glück, ihre Beschwerden in der Sauna oder durch Massage lindern zu dürfen und wurden entsprechend von den Laufenden beneidet. Doch die Massage von Muskelkater ist auch kein reines Vergnügen!
Zur akuten Linderung trugen alle Maßnahmen, die den Muskel erwärmten bei. Sobald die Muskulatur jedoch wieder kalt wurde, war auch der Schmerz häufig wieder da. Auf die Wiederherstellung der Muskelkraft hatte keine der Maßnahmen Auswirkungen. Auch Vitamingaben oder die Zufuhr von speziellen Aminosäuren brachten keinen Erfolg.
Zur Beruhigung aller Schmerzgeplagten: Nach heutigem Stand der Forschung heilt der Muskelkater vollständig aus. Es bleiben keine Narben oder Funktionseinschränkungen zurück.
Vermeiden läßt er sich nur durch langsame Steigerung des Trainings: Also vielleicht erst einmal nur den halben Garten umgraben!
Dr. Norbert Maassen; MSG-Hannover Zurück zur Homepage